Zest Welsh-Cobs
20 Jahre! 1999-2019

Wie ich zum Pony kam....

In meiner Familie gab es nie Pferde. Mein Vater wurde mit 14 zum Waisenkind und meine Mutter war seit ihrem 9.Lebensjahr Epileptikerin und durfte quasi gar nichts, was in irgendeiner Form ein Risiko beinhaltete. Die Epilepsie meiner Mutter sorgte dann aber letzten Endes zur Infektion mit dem unheilbaren Pferdevirus.... Ich bin Jahrgang 70, und zu der Zeit standen die Chancen meiner Eltern auf ein gesundes Kind bei 50%. Glücklicherweise glaube ich, doch recht normal zu sein (tatsächlich habe ich ein paar anatomische Besonderheiten im Verborgenen  ) und meine Eltern und Großeltern waren natürlich überglücklich darüber. Meine Großeltern waren recht wohlhabend und besaßen ein Wochenend-Häuschen in Heiligenhaus, das ist etwas außerhalb meiner Heimatstadt Essen. Die einzige Parkmöglichkeit beinhaltete, dass man an einer Weide des wohlhabenden Nachbarn vorbei musste, auf der zwei Pferde standen: Heidi und Freya. Schon im Kinderwagen fuhr mein Opa mich immer ganz dicht an den Zaun... 

Um das Schicksal nicht unnötig herauszufordern, entschieden meine Eltern sich zur Sterilisation meiner Mutter, als ich drei Jahre alt war. In diesen Tagen beging meine Oma einen folgenschweren Fehler... In der Nähe dieses Wochenend-Hauses befand sich eine kleine Reitschule, die "Happy-Ranch". Dort konnte man auch Ponys zum spazieren führen ausleihen, und genau das tat sie: um mich von der Trennung abzulenken, führte sie mich auf Feuerfuchs, einem Scheckpony, spazieren. Ich denke, es war ein Lewitzer, denn ich erinnere mich, das dort über die Jahre regelmäßig Scheckponys und später Palominos geboren wurden... Schon in der nächsten Woche ging das Gequengel meinerseits los und mein Opa und mein Vater zogen mit mir los, diesmal auf Bianca. Mein Opa meinte, traben könnte ja auch nicht so schwer sein und so erlebte ich auch gleich meinen ersten Sturz, der meiner Begeisterung aber keinen Abbruch tat. Ganz im Gegenteil, diese Opa-Alex-Ponyspaziergänge wurden zu einer festen Institution am Wochenende. Zumindest bis zu dem Jahr in dem ich 5 wurde, denn ab da durfte ich Reitstunden nehmen! Zu der Zeit malte ich im Kindergarten nichts anderes mehr als Bauernhöfe und Pferde- schon damals war dies für mich als Großstadtkind das erklärte Ziel, was ich ja, wie die meisten wissen, auch erreicht habe  In den folgenden Jahren war ich jedes Wochenende und in den Ferien jeden Tag auf diesem Reiterhof. So mit 7 fing mein Opa an, mir in den Ferien immer ein Pony für die ganze Woche zu mieten, sowohl am Wochenendhaus als auch bei unseren jährlichen Urlauben auf Texel. Was natürlich nicht hieß, dass ich mir nicht zu jeder Gelegenheit ein Eigenes gewünscht hätte. Dennoch war ich mir schon damals bewusst, dass ich es als einziges Kind und Enkelkind doch verdammt gut hatte, wenn man bedenkt, dass ich ja eigentlich mitten in der Großstadt wohnte. 

1979 durfte ich zum ersten mal Ferien auf dem Ponyhof machen: Junkern-Beel  Als ich wieder kam, machten meine Eltern gerade Urlaub im Wochenendhaus, es war Sommer und die Zeit der Heu-Ernte. Heidi und Freya standen nicht mehr auf der Wiese, denn diese war nun an ein junges Ehepaar verpachtet, welches sich eine Schafzucht aufbaute. Meine Eltern hatten sich mit ihnen angefreundet und halfen im Heu. Da die Leute eine Tochter hatten, welche nur ein Jahr jünger war als ich, kam ich natürlich mit. Es funkte sofort, so wie es nur bei zwei Pferde-begeisterten kleinen Mädchen der Fall sein kann, und Katja war über viele Jahre meine beste Freundin! Sie hatte auch drei Ponys, die Welsh-B Schimmelstute Zigeunerin (von Downland Cavalcade) und ihre zwei Fohlen von Chirk Ceiniad, Chestnut und Cicero. Es waren herrliche Jahre, in denen meine Leidenschaft für die Zucht und Schau geweckt wurde- nicht durch die Ponys, sondern durch die Schafe! Wir trainierten mit ihnen, sie wurden frisierten sie und fuhren zu Schauen- meist sehr erfolgreich! Die Ponys waren nur für Spaß zuhause... Das Grundstück war riesig, und wir bauten uns Geländestrecken mit Hindernissen und Wassergräben. Auf dem riesigen Misthaufen spielten wir die Unendliche Geschichte nach- die Sümpfe der Traurigkeit  Das Ganze nahm sein Ende 1985... Zigeunerin sollte verkauft werden, im Nachhinein weiß ich, dass Katja's Mutter die Trennung vorbereitete. Ich war 15 Jahre alt und eigentlich schon zu groß für die 126 cm kleine Stute. Dennoch: zum 15. Geburtstag bekam ich mein erstes eigenes Pony